Carmen ist ein Mythos, also etwas, was niemals war, aber immer ist. Die freiheitsliebende Carmen ist dort die dämonisch-exotische Verführerin eines zu Beginn noch selbstbewussten Mannes. Die Liebe zwischen den beiden mündet schließlich in einen gnadenlosen Kampf auf Leben und Tod: absolute Treue oder absolute Freiheit?

Wenn also in Carmen der Soldat Don José seine bescheidene Karriere, seine angebahnte Ehe mit Micaëla, sein geordnetes gesellschaftliches Leben aufs Spiel setzt, in die Klein-Kriminalität abgleitet und am Ende sogar zum Mörder wird, lässt dies Prosper Mérimée, der Autor der Erzählvorlage, den Täter am Vortag seiner Hinrichtung rückblickend mit diesem mythischen Carmen-Zauber erklären.

Für die Opernfassung ändert Bizet allerdings die Perspektive, entfernt jegliche Moralisierung, Rechtfertigung und Anschuldigung und erzählt die Geschichte – musikdramatisch ungeheuer wirkungsvoll zugespitzt – aus Sicht der weiblichen Hauptfigur: Carmen wird dadurch zum schonungslosen Schaustück mit Musik!

Die Schüler sorgen bei dieser Produktion nicht nur für Ausstattung, Kostüme und Maske, spielen im Orchester und singen im Chor, sondern übernehmen auch sämtliche Solopartien und entwickeln neue Dialogszenen, um diesen Mythos aus heutiger Sicht neu zu beleuchten. So entsteht letztlich eine eigene Carmen-Fassung, die das Carmen-Bild des 19. Jahrhunderts mit heutigen Geschlechterverhältnissen kontrastiert.

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

Das könnte auch interessant sein

Carmen - Carmen
Carmen – Opéra-comique von Georges Bizet
Georges Bizet: Carmen – Oper in vier Akten
Georges Bizet: Carmen – Oper in vier Akten