Die kleinen Meerjungraun
Fels, Wald und Wolken, ein Flecken Erde. Darauf, wie angespült, liegt reglos ein nackter Mann. In diesem musealen Kunstidyll tauchen drei sehr heutige Wesen auf. Das ist der Chor der Meerjungraun. Ohne f, weil genderfluide Mischwesen, aber schicksalsverwandt mit Andersens Märchennixe, denn auch die Raun sind gestrandet in Gegebenheiten, die ihrer nonbinären Natur widersprechen. Aus Liebe streben sie nach Anpassung. Aus Anpassung entsteht Schmerz. Und aus dem Schmerz entsteht bei Kim de l’Horizon, schweizerischer Literatur-Shootingstar, ein Plädoyer gegen normatives Denken und für einen Weg zur queeren Selbstentfesselung. Ein Stück, sprachmächtig wie eine Stromschnelle.
Stephan Reuter
Mit:
Claudius Körber, Lucia Kotikova, Jonathan Loosli, Linus Schütz
Regie: Alia Luque (Trio ACE)
Bühne: Christoph Rufer (Trio ACE)
Kostüme: Ellen Hofmann (Trio ACE)
Licht: Jonas Bühler
Dramaturgie: Felicitas Zürcher
Aufführungsdauer: 1 Stunde 30 Minuten
von Kim de l‘Horizon