Maike Luhmann, Deutschlands bekannteste Einsamkeitsforscherin, über das oft tabuisierte Gefühl fehlender sozialer Beziehungen.

Sind wir heute einsamer denn je - oder sprechen wir nur endlich mehr darüber? Wann machen unsere modernen Lebensumstände uns einsam und wann bewahren sie uns im Gegenteil sogar davor? Die Psychologieprofessorin Maike Luhmann forscht seit fünfzehn Jahren zu einem der großen Themen unserer Zeit. Sie beschreibt Einsamkeit als das schmerzhafte Gefühl, das entsteht, wenn die tatsächlichen sozialen Beziehungen nicht den eigenen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen. Wobei Alleinsein nicht mit Einsamkeit gleichzusetzen ist: Während Alleinsein ein objektiver, oft gewählter Zustand ist, wird Einsamkeit als eine unfreiwillige, subjektive Belastung wahrgenommen, mit deutlichen Risiken für psychische Leiden und körperliche Erkrankungen.

Im Gespräch mit Silvan Hornstein und Elke Schilling geht Maike Luhmann auf die Ursachen und Risikofaktoren eines Phänomens von gesamtgesellschaftlicher Tragweite ein: Wann wird Einsamkeit gefährlich? Sind Menschen in der Stadt einsamer als auf dem Land? Was ist dran an der »Einsamkeit der jungen Männer«? Macht die Digitalisierung uns wirklich einsamer? Und wie sollte unsere Gesellschaft aussehen, um uns gut vor Einsamkeit zu schützen? Nikolaus Röttger moderiert die Diskussion.

Maike Luhmann, geb. 1981, ist Professorin für Psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität Bochum und hat sich mit zahlreichen Publikationen zum Thema Einsamkeit einen Namen gemacht. Zuvor forschte und lehrte sie an der Universität zu Köln, der University of Illinois at Chicago, der University of Chicago sowie der Freien Universität Berlin. Als Teil des Kompetenznetzes Einsamkeit berät sie die Bundesregierung bei ihrer Strategie zur Bekämpfung von Einsamkeit. Sie lebt in Bochum.

Elke Schilling ist Gründerin des Berliner Vereins Silbernetz e.V., der sich aktiv gegen Einsamkeit im Alter einsetzt. Nach einer Karriere als Mathematikerin, IT-Spezialistin und Staatssekretärin für Frauenpolitik in Sachsen-Anhalt (1994–1998) initiierte sie 2014 das Silbernetz-Telefon. Für ihr Engagement erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Silvan Hornstein, geb. 1994, entwickelt als Mitgründer von platoniq.health eine evidenzbasierte App gegen Einsamkeit. Zuvor promovierte er im Fach Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin zu digitalen Interventionen und war neben der akademischen Arbeit bei verschiedenen Akteuren in diesem Bereich aktiv – von einer NGO über einen Hersteller digitaler Gesundheitsanwendungen bis hin zu einem Silicon-Valley-Startup.

Nikolaus Röttger glaubt, dass unsere Zukunft den Geschichten folgt, die wir einander erzählen. Als Moderator führt er Gespräche über Wandel, Zusammenleben und Zuversicht. Als Journalist berichtete er als Chefredakteur von WIRED Germany über Zukunft, Technologie und Gesellschaft. Heute hilft er mit seiner Beratung FutureStory Unternehmen, in Momenten von Wachstum, Wandel und Krise ihre Geschichte zu schärfen – und daraus Klarheit, Zusammenhalt und Handlungsfähigkeit zu schaffen.

Foto © Tim Kramer

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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