Das Casting-Dilemma: Zu schön, um wahr zu sein?
Körpertuning gehört inzwischen zum Schauspielberuf: Gemachte Brüste, Lippen, Nasen und Zähne, enthaarte Körper und faltenfrei gelähmte Gesichtszüge. Scheinbar darf auf der Leinwand niemand mehr aussehen, wie er eben aussieht. Aber wie besetzt man dann eigentlich Rollen ganz „normaler“ Menschen? Und wie gehen Schauspielerinnen mit dem wachsenden Perfektionsdruck um? Wer kann sich erlauben, da nicht mitzumachen?
In Kooperation mit dem Verband der deutschen Filmkritik e.V. geht es im Februar-Schönheitssalon um den Körper als Schauspielinstrument und wie ästhetische Ideale dieses Werkzeug möglicherweise einschränken. Die Perspektive des Publikums ist dabei ebenso wichtig: Wollen wir die Darstellenden im Film idealisieren und anhimmeln oder uns mit ihnen identifizieren, weil sie dieselben sympathischen Makel tragen wie alle?
Mit frischen Eindrücken von der 76. Berlinale sprechen darüber auf dem Podium die Schauspielerin Franziska Weisz („Tatort“-Duo Falke und Grosz, „Der Schwarm“, „Bibi und Tina“), die Casting-Direktorin Anja Dihrberg-Siebler („Call My Agent“, „3 Tage in Quiberon“, „Tatort“) und die Medienwissenschaftlerin Elena Meilicke. Gastgeberin des Salons ist wie immer die Kulturjournalistin und Buchautorin Rabea Weihser.
Nach einem Studium der Kunstgeschichte und der Arbeit an renommierten Theaterhäusern wechselte Anja Dihrberg-Siebler Mitte der 1990er Jahre in die Film- und Fernsehbranche. Sie gründete 1997 ihre eigene Firma Anja Dihrberg Casting. Seither hat sie mehr als zweihundert Kino- und TV-Produktionen besetzt, darunter „3 Tage in Quiberon“, „Ein verborgenes Leben“, „Je suis Karl“, „Munich: The Edge of War“, „I am your man“, „Call My Agent“ und diverse „Tatort“- Episoden.
Die österreichische Schauspielerin Franziska Weisz steht seit 25 Jahren vor der Kamera. Zum Beispiel 2001 in „Hundstage“, der mit dem Preis der Jury in Venedig ausgezeichnet wurde, oder 2014 in „Kreuzweg“, der im Wettbewerb der Berlinale lief. Bis 2024 spielte sie die Hauptkommissarin Julia Grosz im norddeutschen „Tatort“ an der Seite von Wotan Wilke-Möhring. 2023 war sie in der internationalen Serienverfilmung von Frank Schätzings „Der Schwarm“ und der österreichischen Produktion „Tage, die es nicht gab“ zu sehen. Einem jungen Publikum ist sie bekannt aus Detlev Bucks Serie „Bibi & Tina“.
Elena Meilicke ist promovierte Medien- und Kulturwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Künste Berlin, mit einem Schwerpunkt in Gender und Medien. Als Filmkritikerin schreibt sie für Kunst- und Kulturzeitschriften wie „Cargo“, „Merkur“ und „Texte zur Kunst“ und wurde mit dem Siegfried-Kracauer-Preis für Filmkritik ausgezeichnet. Sie ist Mitglied im Verband der deutschen Filmkritik.
Rabea Weihser war Kulturchefin von ZEIT ONLINE. Im Jahr 2021 wechselte sie für zwei Jahre zum Basketballmeister ALBA BERLIN als erste Direktorin für Kommunikation & Kultur der Bundesliga. 2025 erschien ihr Buch „Wie wir so schön wurden. Eine Biografie des Gesichts“ bei Diogenes. Jetzt arbeitet sie als freie Journalistin und ist Gastgeberin des monatlichen „Schönheitssalons“ an der Urania.
In Kooperation mit dem Verband der deutschen Filmkritik e.V.
Foto: Rabea Weihser © Fabian Raabe