Orpheus
Wahrscheinlich weil es gängige Meinung ist, dass Rilke zur Musik ein schwieriges bis kritisches Verhältnis hatte, ist dieses Kapitel - im Gegensatz zur bildenden Kunst (Rodin, Cézanne) - wenig beachtet worden. Dem wollen wir in unserem Gedenkabend zum 100. Todestag etwas abhelfen. Denn auch wenn sein Weg zur Musik anfänglich ein problematischer war, ist doch sein Werk eines der musikalischsten überhaupt und zieht sich der Begriff der Musik wie ein roter Faden durch seine Dichtungen. Kernpunkt des Abends sind eine Auswahl der Sonette an Orpheus und das große Gedicht. Die Sonette an Orpheus entstanden 1922, parallel zur Vollendung der Duineser Elegien und das Langgedicht Orpheus.Eurydike.Hermes 1904. Während die Sonette als ein Hauptwerk Rilkes gelten, blieb das Gedicht, das Joseph Brodsky das wahrscheinlich größte Gedicht des 20. Jahrhunderts nannte, relativ unbekannt. Diesen Texten stellen wir Kompositionen gegenüber, die nicht seinen eigenen schwierigen Weg zur Musik erläutern, also die Gregorianik, Bach, Beethoven, sondern Werke von Komponisten seiner Zeit und seines Umfelds, die auf seine Texte reagiert haben. Wir hoffen so den Hallraum, den diese grandiosen Texte eröffnen, zu erweitern und zu differenzieren. Und da von Orpheus die Rede ist, darf natürlich eine Stimme nicht fehlen: Rachel Harnisch, die von hier aus ihre steile Karriere begann, kehrt für diesen Abend nach Freiburg zurück und singt Lieder von Alma Mahler, Alban Berg und zwei Lieder aus Hindemiths Marienleben. Begleitet wird sie von Aziz Kortel, der auch Stücke von Skrjabin, Fauré und Ravel spielen wird.
Gerd Heinz, Rezitation
Rachel Harnisch, Gesang
Aziz Kortel, Klavier
19:30